________________________________


Ein niedlicher Welpe ist noch keine Garantie für ein späteres harmonisches Zusammenleben.
Jede Rasse ist für einen bestimmten Zweck gezüchtet worden.
Aber ob die von Ihnen ausgewählte Rasse auch zu Ihnen und Ihren Lebensumständen passt?
Wie finden Sie einen seriösen Züchter?


Mit folgendem Text möchte ich vor allem potenziellen Ersthundehaltern Hilfestellung geben.

Regeln für den Welpenkauf:

  • Kaufen Sie Ihren Welpen mit Verstand!
Passt die von Ihnen ausgewählte Rasse auch wirklich zu Ihren Lebensumständen?
Sind Sie bereit u. U. das erste halbe Jahr alle 2 bis 3 Stunden mit Ihrem Hund vor die Tür zugehen, bis er zuverlässig stubenrein ist?
Sind Sie sich bewusst, dass Stuhl- und Tischbeine sowie Teppiche vermutlich als Kauspielzeug verwendet werden?
Sind Sie finanziell in der Lage monatlich 50 bis 100 Euro für Futter, Tierarztrücklagen, Erziehungsberatung etc. zu investieren?
Sind Sie bereit auch nach einem anstrengendem Arbeitstag noch ausgelassen mit Ihrem Hund über die Wiesen zu toben?
-> Ein Garten ersetzt keinen Spaziergang!
  • Kaufen sie keinen Hund ausschließlich nach der Optik!

Bedenken Sie:
Die oft als Wohnungshund bevorzugten kleinen Hunde gehören meist Jagdhunderassen an.
Diese Hunde sind auf "Sturkopf" und Ausdauer gezüchtet worden!
Langhaarige Hunde bedeuten meist einen erheblichen Pflegeaufwand!
Haare kurzhaariger Rassen lässt sich sehr schlecht aus Möbeln und Polstern entfernen!
-> Charakter vor Optik!

  • Lassen Sie die Finger vom Welpenkauf aus Mitleid!

Auf Ihr Mitleid bauen viele unseriöse Züchter und Händler. Aber, jeder verkaufte Welpe füllt deren Kasse und macht Platz für einen neuen Wurf.
So trägt jeder Käufer ungewollt dazu bei, dass sich das Leid der Hunde fortsetzt.
-> Immer gilt: Mitleid ist ein schlechter Berater!

  • Gehen Sie zur ersten Auswahl eines Hundes OHNE Kinder!

Das klingt zwar erstmal herzlos, aber wie kann der erwachsene Verstand widerstehen, wenn sich Kinderaugen in einen besonders niedlichen, aber leider charakterlich unpassenden Welpen verliebt haben?!
Sinnvoller ist es, wenn Sie die Erstauswahl treffen und die Kinder erst beim nächsten Besuch mit den in Frage kommenden Kandidaten bekannt machen.

  • Kaufen Sie nicht billig, sondern qualitativ!

„Gespartes“ Geld legen Sie hinterher oft beim Tierarzt oder bei einem Hundeverhaltenstherapeuten mehrfach an. Billiger wird das am Ende bestimmt nicht!

  • Vorsicht im Internet!

Dort wimmelt es von Hundehändlern und Massenvermehrern.
Oft „verstecken“ sich hier Massenvermehrer und gewerbliche „Züchter“, die sich "Hobbyzüchter" nennen oder Welpen aus "Privathand" anbieten.
Lassen Sie sich auch nicht von ansprechend gestalteten Internetseiten blenden!

Tipp: Googeln Sie nach dem in Frage kommenden Züchter!
Oft erhält man hier haarsträubende Infos von anderen betroffenen Hundehaltern, z. B. im Chat/in Foren.

Wie erkenne ich einen seriösen Züchter?

  • Der Züchter sollte nur maximal ZWEI Rassen züchten
  • Der Züchter sollte Ihnen Zutritt zu allen Räumlichkeiten gewähren, in denen sich die Elterntiere und die Welpen während ihres normalen Tagesablaufs aufhalten
  • Der Züchter sollte Ihnen sehr persönliche Fragen zu Ihren Lebensumständen stellen
  • Der Züchter sollte Ihnen raten, welcher seiner Welpen am besten zu Ihnen und Ihren Lebensumständen passt
  • Der Züchter sollte Ihnen auch vom Kauf ABRATEN, wenn er das Gefühl hat, dass seine Rasse nicht zu Ihren Lebensumständen passt
  • Der Züchter sollte zu all seinen Hunden ein inniges Verhältnis haben und einen respektvollen Umgang mit ihnen pflegen
  • Der Züchter sollte auch dann freundlich bleiben, wenn Sie ihm stundenlang Löcher in den Bauch fragen ;-) 
  • Der Züchter sollte auf Ihren mehrmaligen Besuch des Welpen vor dem Kauf bestehen
  • Der Züchter sollte Ihnen keinesfalls einen Welpen abgeben, der jünger als 8 Wochen ist

Ist die Mutterhündin anwesend?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, wie ist ihr Pflegezustand und ihr Verhalten?
Bei verhaltensauffälligen, extrem unsicheren und ängstlichen Hündinnen ist davon auszugehen, dass die Welpen später einen ähnlichen Charakter aufweisen. Wesenszüge werden vererbt. Außerdem ahmen die Welpen das Verhalten der Mutter nach.
Damit sind Verhaltensauffälligkeiten unwiderruflich geprägt!

Die Zucht mit wesensschwachen oder verhaltensgestörten Hunden ist hochgradig bedenklich. Ein guter Züchter ist bestrebt, nur geeignete, wesensstarke und gesunde Hunde in die Zucht einzubeziehen.
Lassen Sie sich die Unterlagen der Untersuchung auf erbliche Erkrankungen und die Röntgenuntersuchungen der Mutter (und ggf. des Vaters) zeigen!

Die Ausstellung der Papiere und der Ahnentafel kosten extra?
Viele unseriöse Züchter behaupten: Die Ausstellung der Rassehundepapiere kostet extra. Und deshalb sei ein Welpe ohne Papiere natürlich etwas preiswerter. Diese Aussage ist UNWAHR! Jeder Welpe, aus einer vom Zuchtverband genehmigten Verpaarung, erhält automatisch Papiere, sobald er das Licht der Welt erblickt. Selbst, wenn er nicht dem Rassestandard entspricht!

Mit dem Ausstellen der Ahnentafel verdienen sich viele unseriöse Züchter ein schnelles Zubrot. Und, dass die Angaben in den Papieren der Wahrheit entsprechen, ist fraglich.
Ein schöner Ahnenpass sagt nichts über Seriosität aus! Mit der heutigen Computertechnik lassen sich leicht professionell aussehende Dokumente erstellen, die Laien durchaus beeindrucken können.

Viele aktive Zuchthündinnen, viele Würfe?
Hat der Züchter mehrere Würfe unterschiedlichen Alters "vorrätig", ist anzunehmen, dass die Zucht "am Fließband" betrieben wird.
Hier ist zu mutmaßen, dass kaum Wert auf die angemessene Prägung der Welpen gelegt wird, damit jeder einzelne Welpe optimal auf das Leben in seiner neuen Familie vorbereitet an die neuen Besitzer übergeben werden kann.

Ein guter Züchter hat eine überschaubare Anzahl von Hunden, meist aus verschiedenen Generationen. Denn auch alte, nicht mehr zuchtfähige Hunde, werden weiterhin in der Familie behalten.

Unterbringung ausschließllich in Zwinger, Schuppen o. ä.?
Die Prägung des Welpen beginnt schon ab der 4. Lebenswoche. Einfluss auf eine optimale Entwicklung hat auch die Kinderstube des Welpen.

Bedenklich sind:
- isolierte Unterbringung im Zwinger, ohne Familienanschluss
- Aufzucht in Schuppen, Garage und Räumen mit wenig Tageslicht
- Aufzucht auf stark begrenzter Fläche (kaum Bewegungsmöglichkeiten)
- reizarme oder keine Inneneinrichtung
- hygienisch bedenklicher Zustand/vernachlässigte Reinigung
(oft verdeckt durch Einstreuen von Sägespänen)
- Nichtvorhandensein von Spielsachen (keine Beschäftigungsmöglichkeiten)

Gesundheitszustand und Verhalten der Welpen:
Das Tierschutzgesetz schreibt beim Verkauf eines Welpen ein Mindestalter von 8 Wochen vor.

Äußere Auffälligkeiten:
- mit Kot verklebtes, unsauberes oder stumpfes Fell
- Durchfall, Erbrechen
- Wurmbauch (Kennzeichen dünner Hund mit ausgeprägtem aufgedunsenem Bauch)
- Ausfluss aus Nase oder Augen, schmutzige und verklebte Ohren, Husten, Röcheln, schlechter Allgemeinzustand
- kein tierärztlicher Nachweis für Impfungen oder Entwurmungen (erste Entwurmung sollte im Alter von zwei Wochen vorgenommen und danach bis zur Abgabe in zweiwöchentlichem Abstand wiederholt werden)

Verhaltensauffälligkeiten:
- (panisches) Wegrennen
- sich verstecken
- Kontaktscheue
- Ängste vor unbekannten Dingen/Menschen
- Der Welpe traut sich nicht, seinen Wurfbereich (z.B. Zwinger) zu verlassen.

Kaufen Sie keinen Hund ohne Vertrag!
Ein guter Züchter wird sich im Vertrag ein Vorkaufsrecht gesichert haben!

Welpen von privat?
Bedauerlicherweise kommt es häufig vor, dass Besitzer einer Hündin diese von einem x-beliebigen Rüden decken lassen.
Sei es, weil sie "einmal einen Wurf von ihrer so tollen, lieben Hündin haben wollten" oder weil sie nicht in der Lage waren, während der Hitze (Läufigkeit) entsprechend auf die Hündin aufzupassen.

Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass ZÜCHTEN kein Hobby, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, die man den Spezialisten überlassen sollte, die Erfahrung mit Genetik und Vererbungslehre haben und sich diesbezüglich ständig weiterbilden!

Auch sind, wie so oft behauptet, Mischlinge keinesfalls gesünder!
Im schlechtesten Fall vereinen sie die negativen Merkmale der beteiligten Rassen.

Ich berate Sie kostenfrei beim Kauf eines Welpen oder helfe Ihnen bei der Auswahl eines Tierschutzhundes!

Übrigens: Sollten Sie sich für einen Hund aus dem Tierschutz entscheiden und in der Erziehung Unterstützung benötigen, gelten im ersten Halbjahr nach Übernahme die gleichen Konditionen, wie für Welpenbesitzer. Siehe auch --> hier




© Doris Popp